Leckende Haremsdamen, spukende Nonnen

Feuilleton | aus FALTER 16/10 vom 21.04.2010

Eine Ausstellung informiert über den von Oligarchen ausgelösten Boom zeitgenössischer Kunst in der Türkei

Ausstellungskritik: Matthias Dusini

Sie kommen mit Schaufeln. In einer nächtlichen Aktion graben die Künstler der Gruppe Hafriyat im Istanbuler Hafen eine Statue aus, die seit 1973 hier steht. Der Künstler Muzaffer Ertoran erhielt damals den Auftrag, Skulpturen von Arbeitertypen anzufertigen und an einem symbolträchtigen Ort aufzustellen. Von hier aus fuhren die Schiffe los, die Arbeiter in europäische Industriestädte brachten.

Im Laufe der Zeit wird die Statue verstümmelt, bis nur mehr ein Torso übrig bleibt. Mit ihrer von der Polizei unterbrochenen – und nun in der Ausstellung „Tactics of Invisibility“ dokumentierten – Aktion geben die Künstler diesem frühen Beispiel einer Kunst im öffentlichen Raum seine Funktion als Erinnerungsmal an Arbeiterkultur und Diaspora zurück.

„Seventh Man“ (2010) ist eines von 15 Werken, die derzeit in der Foundation Thyssen-Bornemisza


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