Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 16/10 vom 21.04.2010

Ruhe oben, Ruhe unten: Wien im Vulkanmarathon

Letzten Sonntag war Wien-Marathon, und als wir so zwischen der Harlekin- und der Mit-Jesus-läuft’s-besser-Staffel gemächlich dahintrippelten, da merkten wir wieder, wie schön diese Stadt doch ist. Weil man einmal Gelegenheit hat, mitten auf der Straße zu sein. Weil die lähmenden Zuordnungen – Auto, Fahrrad, Fußgänger und so weiter – fallen. Weil der Blick nicht von schmalen Gehsteigen steil über Fassaden gleiten muss, sondern vom vorgesehenen Ort aus dorthin schweift: den Mittelpunkt eines Platzes. Gründerzeitliche Altstädte sollten nicht dreispurig von Autos durchkreuzt werden, denkt man dann wieder einmal. Aber das allein wäre nicht unbedingt neu. Neu war vor allem die Stille des Luftraums. Kein Flugzeugchen am Himmel. Keine flockig-weißen Kondensstreifen. Kein Geräusch, kein Dröhnen. Kollegen, die erzählen, dass ihre Einflugschneisenwohnung seit Tagen so ruhig ist, wie sie das nie zuvor erlebt haben. Stille oben und unten. Nur menschliches Gelaufe und Geschnaufe. Vereinzelt Jubel, eine Musikkapelle. Danke, Eyjafjallajökull.


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