Das Geheimnis der Doris L.

Stadtleben | aus FALTER 16/10 vom 21.04.2010

Doris Lehner hat Angst davor, dass die anderen ihre Familienschande entdecken. Ihr Sohn war im Gefängnis

Porträt: Julia Ortner

Die Nachbarn lauern in der Früh schon hinter ihren Blümchenvorhängen. Wo ist die Frau, von der man so wenig erfährt? Was ist mit dem Sohn, der so lange verschwunden war? Ja, was spielt sich denn bei denen wirklich ab? Man weiß nichts Genaues. Doris Lehner* ist für das morgendliche Ritual gerüstet. Sie tritt rasch durch die Tür ihres Hauses, den Kopf leicht gesenkt, wie jemand, der sehr beschäftigt ist, kein Blick nach rechts oder links, schnell durchs Gartentürl, und schon steigt sie mit ganzer Kraft in die Pedale – so schnell kann die Frau Nachbarin von Visavis gar nicht herstürmen. Lehner winkt ihr gerade noch zu, leider keine Zeit, muss in die Arbeit, schönen Tag! Am frühen Abend dann das gleiche Spiel in die andere Richtung. Mit Vollgas anfahren, Gartentürl zusperren, ins Haus reinspurten. „Ich hab so meine Tricks“, sagt Lehner. Mit dieser


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