Triumph und Tragödie

Stadtleben | aus FALTER 16/10 vom 21.04.2010

Der Wien-Marathon 2010 ist geschlagen. Auch der Falter war wie üblich dabei

Nachschau: Christoph Heshmatpour

Manche Sachen sind so schön berechenbar. Das Tamtam um den Wien-Marathon ist jedes Jahr dasselbe. So wie das Laufen über 42,195 Kilometer selbst einen gleichförmig-traumwandlerischen Akt darstellt, so folgt die ganze Inszenierung einer immergleichen Dramaturgie.

In der Rennwoche verkünden die Veranstalter, dass heuer sämtliche Streckenrekorde geknackt würden. Das Teilnehmerfeld ist sowieso immer das qualitativ und quantitativ beste, das jemals in Wien angetreten ist. Beginnt das Rennen, sprintet ein Dutzend Kenianer und Äthiopier vorneweg, dahinter folgen Profiläufer ebenso wie kostümierte Spaßvögel, Hobbyathleten und fluchende Leistungssüchtige mit Pulsuhren.

Das Unberechenbare ist das Rennen selbst, der Kampf jedes einzelnen Läufers mit dem eigenen Körper und den vom Autoverkehr befreiten Wiener Straßen. Als der siegreiche Kenianer Henry Sugut nach 2:08:40 Stunden ins Ziel einlief, hatte die Letzte, die Bulgarin Septemvrina Kostova, noch die dreifache Zeit vor sich, ehe sie nach 6:04:19 Stunden gefolgt von ersten Putzkolonnen am Heldenplatz eintraf.

Ein Marathonlauf ist ein Halbtag voll Triumph und Tragödie. Während sich Profiläufer Günther Weidlinger mitten im Rennen weinend und frustriert an den Straßenrand setzte, durchbrach die ruhmreiche Falter-Staffel die angepeilte 4-Stunden-Schallmauer und lag sich kurz vor 13 Uhr gerührt in den Armen. Da machte es nichts aus, dass das Wirtschaftsblatt schon seit einer halben Stunde im Wirtshaus wartete. Es gibt ja immer noch nächstes Jahr.


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