Prost!

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Hafermilch

Stadtleben | aus FALTER 16/10 vom 21.04.2010

Wem Soja zu wenig regional ist, nimmt die „Milch“ vom Hafer

Seit die Reformkost ihren Siegeszug durch die Supermärkte angetreten hat, ist der Umsatz von Getreidemilch sprunghaft angestiegen. Als Vorreiter auf diesem Gebiet gilt die Firma Alpro, die bereits in den 70er-Jahren Sojamilch in Madagaskar produzierte, mit dem engagierten Ziel, den Welthunger zu bekämpfen. Seit Ende der 80er ist das prestigeträchtige Unternehmen in Belgien beheimatet, und mittlerweile gibt es eine große Palette an Produkten, die vornehmlich von ehemaligen Schweinsbratenfans, hartgesottenen Herbivoren oder Laktose-Unverträglichen konsumiert werden. Setzt man der Bio-, Allergie-, Öko- und Cholesterinmarketingmasche noch eins drauf, dann sollte doch das Attribut regional nicht fehlen. Und da wären wir dann bei der Hafermilch angelangt.

Der an Kuhmilch gewöhnte Gaumen wird das hellbräunliche Getränk (unbedingt schütteln!) als eine leicht süßliche, jedoch geschmacklich ins Leere laufende Substanz wahrnehmen. Nicht unangenehm, jedoch. Verglichen mit Tiermilch verursacht Hafermilch weniger Verschleimung im Organismus. Zumeist wird Calcium als Zusatz beigemengt, das hochwertige Eiweiß muss von woanders geholt werden. Stellt sich die Frage: Was macht man bloß mit dem Zeug? Als Milchshake serviert, wird der Gast kaum merken, dass es sich hier um flüssiges Getreide handelt. Für das Milchhäubchen auf dem morgendlichen Bio-Fairtrade-Kaffee reicht es geschmacklich leider noch nicht. Experimente mit Ahornsirup werden derzeit vorgenommen. ms


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