Mein eigener Herr

Politik | aus FALTER 17/10 vom 28.04.2010

Schöne neue Arbeitswelt: Warum gründen immer mehr Menschen Einpersonenunternehmen? Ein Erklärungsversuch

Bericht: Sibylle Hamann

Porträts: Matthias G. Bernold

Es hat eine Zeit gegeben, in der alles noch ganz einfach war. Da war der Unternehmer ein Kapitalist, und man erkannte ihn gleich. Die Zigarre im Mund war sein Markenzeichen und Investieren sein Hobby. Geld mutierte, wie Karl Marx analysiert hat, in seinen Händen zu „Kapital“, das „planmäßig eingesetzt wird, um am Ende eine größere Summe herauszubekommen“. Ein „absoluter Bereicherungstrieb“ zeichne den Unternehmer aus, eine „leidenschaftliche Jagd nach dem Tauschwert“.

Die Opfer des Unternehmers waren die Proletarier. Die krochen am 1. Mai aus ihren finsteren Hinterhofwohnungen, nahmen die roten Fahnen in die Hand und gingen auf die Straße. Für den Achtstundentag, für soziale Absicherung und für eine Bezahlung, von der man leben kann. Am 1. Mai vor 100 Jahren war noch klar, wer die Reichen waren und wer die


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