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Bücher, kurz besprochen

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 17/10 vom 28.04.2010

Journalistin aus Leidenschaft

Seit zehn Jahren veranstaltet das Institut für Publizistik der Uni Wien die „Theodor-Herzl-Dozentur für Poetik des Journalismus“. Nicht um Poesie geht es dabei, sondern um das „Studium des zu machenden Werkes“. Journalisten aus Österreich und Deutschland schildern Studierenden, was sie unter „gutem Journalismus“ verstehen, was ihre Arbeit prägt und wo Risiken und Chancen für die Zunft liegen. Die Vorlesungen werden anschließend im Picus-Verlag als kleine Büchlein herausgegeben.

Vergangenes Jahr hatte die deutsche Journalistin und Frauenrechtlerin Alice Schwarzer die Dozentur inne. Der Hörsaal platzte aus allen Nähten. Wer die Vorlesung nicht mitverfolgen konnte, kann sie nun nachlesen. In „Journalistin aus Passion“ schildert Schwarzer nicht nur ihren Werdegang und die Gründung des streitbaren Drei-Monatsmagazins Emma. Sie übt auch scharfe Kritik an Kolleginnen – etwa der Spiegel-Gerichtsreporterin Giesela Friedrichsen, die Gewalt an Frauen beschönige. Am Ende des Buches druckt Schwarzer drei Interviews, die Studenten der Publizistik mit ihr geführt hatten. Einmal waren es zwei Frauen, einmal zwei Männer und einmal ein gemischtes Doppel. Die Konfrontationen verdeutlichen, dass es „objektiven Journalismus“ nicht gibt.

Alice Schwarzer: Journalistin aus Passion. Picus, 160 S., € 14,90


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