Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 17/10 vom 28.04.2010

Wenn ein Leopard sich benimmt wie ein Leopard und gerne Gnubabys reißt, darf man sich nicht wundern. Trotzdem bekam die gesamte Medienlandschaft einen Moralischen, weil der Gesellschaftsreporter Dominic Heinzl beim ORF halt genau die gleichen Boulevard-Schmuddelstorys machte wie zuvor auf dem Privatsender ATV. Als hätten sie nicht kapiert, dass das Überschreiten von Grenzen zu dem Mann gehört wie sein Gespür für Geschichten. Und jetzt, nachdem der ORF Heinzl nach dessen ungustiöser Katzi-Lugner-Treibjagd gewisse Auflagen erteilt hat, zeigt sich: Sein „Chili“ ist gar nicht mehr spritzig, die Quoten nur enttäuschend. Was für eine Überraschung. Dann noch das Gerücht, Heinzl hätte seine Romy einer Schiebung zu verdanken, und alle sind beim Heinzl-Bashing dabei. Auch jene, die den Reporter bei seinem ORF-Start noch unreflektiert als „Messias“ des quotenschwachen Rundfunks abfeierten. Zumindest auf die billige Häme kann man sich in diesem Land verlassen.


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