Enthusiasmuskolumne

Diesmal: Das beste Fanzine der Welt der Woche


Matthias Dusini
Feuilleton | aus FALTER 17/10 vom 28.04.2010

Zurück zur Natur des Underground!

Nieder mit dem hochglanzgedruckten Kunstauktionskatalog und dem von Anzeigen korrumpierten Magazin!

Hoch das supersubjektivistische, handkopierte, Familiennetzwerke feiernde Fanzine! Beendet die Diktatur der Kunstvermittlungsverblödung! Zieht euch zurück in die Nischen von Selbstverrätselung und Idiosynkrasie!

Die 19. Ausgabe des Zentralorgans der Freunde kollektiv produzierter Autobiografien, fein verästelter Indierockgenealogien und unsystematischer Lektüreeindrücke ist erschienen.

Diesmal heißt das Wiener Fanzine Libertine, so wie eine kostenlose Schrifttype. Ältere Ausgaben des von dem Konzeptkünstler, Musiker und Autor Christian Egger und einigen befreundeten Künstlern seit acht Jahren produzierten Heftes hießen The Mix, Pigiarniq oder Paper und waren ebenfalls nach Typografien benannt.

Der aktuellen Ausgabe hat der deutsche Künstler Olaf Nicolai ein Insert in Form eines Schriftbildes beigesteuert. Christian Egger unterhält sich mit der in Wien als Stipendiatin weilenden Malerin Lucy McKenzie über Street-Art, Franz Ferdinand und die Creative Industries.

Dazwischen purzeln Fundstücke aus der Kunstwelt hinein, etwa ein handgeschriebener Zettel: „DAS SIND TEILE EINER ARTSCHWAGER ARBEIT! DIESE BÖCKE SOFORT RETTEN! HALLO, HALLO!!“

Auch in dieser Ausgabe wird der Schönheit einer vergessenen Kunst-am-Bau-Plastik gehuldigt: Diesmal ist es die Skulptur eines auf einem Koffer sitzenden Kindes in der Ecke eines Bahnhofs. Der Bub schaut aus, als wäre er durch einen bösen Fluch zu Bronze erstarrt.

Corinne L. Rusch steuert eine Fotostrecke mit „Sleeping Cars“, also von Planen verhüllten Autos, bei. Es folgen einige Seiten mit einer Übersetzung eines dramatischen Textes von Samuel Beckett ins Türkische: „Kelimeler geliyordu ...“


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