Botox für die Helden der Oktoberrevolution

Feuilleton | aus FALTER 17/10 vom 28.04.2010

Die Wiener Künstlerin Anna Artaker beschäftigt sich in der Secession mit der geheimnisvollen Aura von Totenmasken

Porträt: Matthias Dusini

Wenn man ganz nah an die Glasbox herantritt, hat man den Eindruck, Lenin mit der Nasenspitze zu berühren. Dieses intime Erlebnis ambivalenter Art ist einem alten fotografischen Kunstgriff geschuldet, den Anna Artaker in ihrer Ausstellung in der Secession zur Anwendung bringt.

In der Stereoskopie werden zwei der Sehwinkeldifferenz des freien Sehens entsprechende Bilder desselben Gegenstands bei der Betrachtung durch das Stereoskop zu einem dreidimensionalen Bild vereinigt, das in diesem Fall unheimlich aus dem Morast der Geschichte in die Gegenwart ragt. Artaker fotografierte nämlich die Totenmasken der Helden der Sowjetunion: von Lenin, dem Dichter Wladimir Majakowski, aber auch von Felix Dserschinski, dem Chef der berüchtigten Geheimpolizei Tscheka. Wimpern und Barthaare, die kleben blieben, verstärken den Eindruck von Unmittelbarkeit.

Die Reste

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