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Feuilleton | aus FALTER 17/10 vom 28.04.2010

Alice Miller (1923–2010)

Zuletzt hatten die Thesen der aus Lemberg gebürtigen Schweizer Autorin, deren bekanntestes Werk „Das Drama des begabten Kindes“ (1979) beleuchtete, durch die Debatte um Kindesmissbrauch an Aktualität gewonnen. „In jedem noch so schrecklichen Diktator, Massenmörder, Terroristen steckt ausnahmslos ein einst schwer gedemütigtes Kind“, lautet eine der griffigen Formulierungen, die Millers Arbeiten quasi zum entwicklungspädagogischen Unterfutter von Hanekes „Das weiße Band“ machten. Miller war 1988 aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung ausgetreten und nannte sich fortan „Kindheitsforscherin“. In ihren Büchern (u.a. „Am Anfang war Erziehung“ oder „Du sollst nicht merken“) beschuldigte sie die Freud’sche Psychoanalyse, reale Missbrauchserfahrungen als kindliche Sexualfantasien abzutun und sich auf die Seite der Täter zu schlagen. Wie der Suhrkamp Verlag vergangene Woche mitteilte, ist Miller am 14. April verstorben.

Alan


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