Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 17/10 vom 28.04.2010

Ein Minarett wär’ doch nett

Der mögliche Bau von Moscheen ist auch in Graz ein beliebtes Thema der Rechten. Im letzten Gemeinderat schritten sie zur Tat: Die FPÖ forderte eine Volksbefragung, das BZÖ wollte eine Änderung der Bauordnung, die auch den Bau des Kunsthauses sehr erschwert hätte. Und beide entdeckten wie immer, wenn es um den Islam geht, die Frauenrechte für sich.

Um den Rechten den Wind aus den Segeln zu nehmen, präsentierte VP-Bürgermeister Siegfried Nagl daraufhin Pläne für eine „Moschee“ der türkischen Gemeinde: ein Gebetshaus und Kulturzentrum, von einem Wohnhaus nicht zu unterscheiden, keine Spur von Minarett. Ein zweites Projekt der bosnischen Muslime soll ein „modernes Minarett“ beinhalten. Die Höhe sei dabei nicht wichtig, man werde sich an die Bauregeln halten, heißt es dazu aus der bosnischen Gemeinde. In einem Land, in dem der Islam seit fast hundert Jahren eine anerkannte Religionsgemeinschaft ist, sollte der Bau einer Moschee inklusive Kuppel, Minarett und allem Drum und Dran selbstverständlich sein.

Anders sehen das die Rechten. Werden sie nun, da die nicht eben aufsehenerregenden Pläne auf dem Tisch liegen, aufhören, das Thema auszuschlachten? Die Art der Debatte lässt das Gegenteil befürchten: FP-Stadtrat Mario Eustacchio spielte während der Rede der Grünen Sigi Binder Muezzinrufe über seinen Laptop ein und gab zu verstehen, dass er schlicht keine Moschee wolle, egal wie diese aussieht. BZÖ-Chef Gerald Grosz behauptet weiterhin, ein „überdimensionales Minarett“ sei in Planung. Nicht Moscheen und Minarette, sondern dieses Schüren irrationaler Ängste gehören verboten. Davon geht die wahre Bedrohung aus.

Donja Noormofidi leitet den Politikteil im steirischen Falter

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