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Say Hello, Wave Goodbye: Oklahoma da capo

Wolfgang Kralicek | Lexikon | aus FALTER 17/10 vom 28.04.2010

Das Rezept klingt denkbar einfach: Man lasse sich von einer Bekannten am Telefon ihr Leben erzählen, zeichne das Gespräch auf, lasse die Abschrift vertonen und dann von Schauspielern singen. Ungefähr so funktioniert das auf zehn (!) Teile angelegte Musiktheaterepos „Life and Times“, dessen erste Folge das Nature Theater of Oklahoma aus New York mit dem Burgtheater koproduziert hat.

Drei Amerikanerinnen und drei Herren aus dem Burg-Ensemble singen und tanzen die Erinnerungen einer Frau an die ersten Jahre ihres Lebens, von der Geburt bis zur Volksschule. Wie sie einmal ihre beste Freundin beleidigt hat. Wie sie im Badezimmer einmal den Penis ihres Vaters gesehen hat. Welches Spielzeug sie gern gehabt hätte. Wie sie in der Schule in die Hosen machte, weil sie nicht aufs Klo durfte. Und so weiter.

Die Geschichten sind alltäglich, aber gerade deshalb interessant. Die von einem Trio live gespielte Musik ist einfach, aber suggestiv; die suprematistischen Choreografien sind schlicht, aber präzise. Dreieinhalb Stunden dauert der Abend, der in seiner Monotonie durchaus auch anstrengend ist. Aber wenn man sich einmal darauf eingegroovt hat, kippt man rein und genießt auch kleine formale Variationen der vom Regiepaar Kelly Copper und Pavol Liska minutiös durchgearbeiteten Aufführung.

An sich war „Life and Times – Episode 1“ längst abgespielt. Weil die Produktion aber als eine der zehn „bemerkenswertesten“ Inszenierungen des Jahres zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde, gibt es jetzt auch in Wien noch zweimal die Chance, sie zu sehen. „Selten ist Konzeptkunst so schräg und schön“, heißt es in der der Begründung der Theatertreffenjury treffend. Und noch eine gute Nachricht gibt es: Am 10. November hat im Kasino „Episode 2“ Premiere.

Burgtheater-Kasino, Fr, Sa 19.00


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