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Klaus Theweleit über die Farbe im Film

Lexikon | Bernhard Kern | aus FALTER 17/10 vom 28.04.2010

Das Filmmuseum widmet sich noch bis zum 7. Mai unter dem Motto „Filmfarben“ der Geschichte des kolorierten Bilds im Kino. Die Retrospektive führt vom frühen, handbemalten (Trick-)Film über die große Ära von Technicolor bis hin zu den Farbexperimenten des modernen europäischen Kinos. „Mit der Farbe im Film“, schrieb die deutsche Filmessayistin Frieda Grafe, „gab es immer Scherereien. Sie war mit dem bloßen Wiedergabe-Realismus des Kinos schwer in Einklang zu bringen. Sie machte den Bildern eine Aura. Sie war ein Wahrnehmungsluxus.“ Diese Worte referieren auf die magische Macht der Bilder, die Kinogänger immer wieder verführt. Frieda Grafe (1934–2002) zählt zu den bedeutendsten Stimmen der deutschsprachigen Filmanalyse. Ihre Texte prägten Generationen von Cineasten. Das Filmmuseum widmet der Grand Dame einen Themenabend: Sissi Tax, eine enge Freundin Grafes, liest aus deren Texten, der Kulturtheoretiker Klaus Theweleit referiert über ihr Werk.

Als Schriftsteller wurde Theweleit mit seinem 1977 erschienenen Buch „Männerfantasien“ bekannt. Darin analysierte er literarische Artefakte von Männern, die durch die strenge Erziehung des Wilhelminischen Deutschlands zu Soldaten erzogen und sich vom Nationalsozialismus angezogen fühlten. In den letzten Jahren erschienen Abhandlungen zu popkulturellen Themen. In „absolute(ly) Sigmund Freud. Songbook“ verknüpft er Psychoanalyse mit Popmusik. Sein Buch „Tor zur Welt“ gilt als Basislektüre für theorieaffine Fußballnerds. Zum Abschluss des Abends wird mit Jerry Lewis‘ „The Nutty Professor“ ein Lieblingsstreifen von Frieda Grafe gezeigt.

Filmmuseum, Mo 19.00


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