Neu im Kino

Zwischen Situationismus und Kindergeburtstag

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 17/10 vom 28.04.2010

Statt ein Äffchen und ein Pferd hält sich Pepperminta (Ewelina Guzik) eine Schnecke namens Ismael Pompon als Haustier; ihre Villa Kunterbunt schaut von innen aus wie ein üppiges zeitgenössisches Kitschkunst-Atelier. Für die Titelheldin von Pipilotti Rists Langfilmdebüt „Pepperminta“ stand merklich die unerschrockene Kinderbuchanarchistin Pippi Langstrumpf Pate. Deren wilden Witz überträgt die Schweizer Videokünstlerin in eine ausgelassene Mischung aus feministischem Performance-Video, psychedelischem Farbrausch und Regressions-Klamauk: Die Dame im knallroten Dompteurskostüm schart eine Bande von Gleichgesinnten um sich und kämpft in Wiener Verkehrszonen, Nobellokalen und Hörsälen gegen das Duckmäuser-Grau des Alltags. Die weltumarmende Transgressionslust läuft leider ins Leere: Die dionysischen Selbstentfesselungsfantasien, die „Pepperminta“ serviert, wirken auch nicht weniger verklemmt als die vorgeführten Spießerfratzen.

Ab Fr in den Kinos


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