Noch im Kino

„Greenberg“: Grant und Wehmut in Los Angeles

Lexikon | aus FALTER 17/10 vom 28.04.2010

Roger Greenberg weiß, die Welt ist schlecht: Im Multiplex laufen keine Filme, die ihn interessieren, und – noch schlimmer – im Starbucks wird Musik gespielt, die er tatsächlich mag. Noah Baumbachs „Greenberg“ ist die Komödie einer Unzufriedenheit: Aus der psychiatrischen Anstalt entlassen, soll der Schreiner und Musiker Roger (Ben Stiller) in Los Angeles Villa und Schäferhund seines erfolgreichen Bruders hüten. Der dislozierte New Yorker und selbst ernannte Rebell geht mit seiner Selbsteingenommenheit bald alten und neuen Bekannten auf die Nerven. Zwischen dem Verfassen von Beschwerdebriefen und wehmütigen Reminiszenzen an bessere Tage beginnt er eine labile Beinahe-Beziehung mit der wesentlich jüngeren Florence (Greta Gerwig).

Wenig passiert, aber einiges verschiebt sich in dieser Neurotikerstudie, die im staubigen L.A.-Kolorit andauernder Autofahrten und ausgesucht nichtssagender Lokale einen wichtigen Resonanzraum erhält. Baumbach, hierzulande am ehesten bekannt als gelegentlicher Ko-Autor von Wes Anderson-Filmen, ist in seinen eigenen Regiearbeiten seit Mitte der Neunziger auf dialogreiche Bildungsbürgerdramen mit galliger Beobachtungskomik spezialisiert.

„Greenberg“ erweitert den Tonfall sanft, führt Komikerstar Stiller plausibel mit Protagonisten des aktuellen US-No-Budget-Kinos (Codewort: Mumblecore) wie Mark Duplass und der wunderbar verhalten agierenden Greta Gerwig zusammen. Hübsches Befindlichkeitskino à la „Lost in Translation“ lugt öfter um die Ecke, aber der Film behält meist eine skeptische Distanz gegenüber den Posen, Einsichten und Selbsterklärungen seiner Figuren. Lustig ist er auch. JS

Weiterhin im Kino (OmU im DeFrance)


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