Noch im Kino

Her mit den kleinen Engländerinnen!

Lexikon | aus FALTER 17/10 vom 28.04.2010

Jenny raucht heimlich Gauloise, hört Platten von Juliette Greco und träumt von Paris: Für die 16-Jährige, die in einem Vorort von London in kleinbürgerlichen Verhältnissen aufwächst, ein Ort sehnsüchtiger Verheißungen. Eines regnerischen Tages, sie ist auf dem Schulweg nach Hause, hält ein Sportwagen an, um sie und ihr Chello aufzulesen. David heißt der junge Charmeur, der ihr fortan den Hof macht, den strengen Vater und die nachsichtige Mutter um den kleinen Finger wickelt, Jenny zu Konzerten ausführt, zu einem Ausflug nach Oxford entführt und schließlich übers Wochenende mit nach Paris nimmt – dem einzigen für sie passenden Ort auf der Welt, um ihre Unschuld zu verlieren.

„An Education“, der Titel des Films, bezieht sich auf das berühmte „erste Mal“, aber keineswegs nur darauf. Vielmehr zeichnet Lone Scherfig, aus Dänemark gebürtige Spezialistin für Tragikomödien wie „Italienisch für Anfänger“ (2000), hier mit sanft nostalgischen Strichen die Geschichte und das Lebensgefühl der letzten Generation vor 1968 nach. Der sonst für „Männerromane“ bekannte Nick Hornby überrascht als Drehbuchautor hier mit Gefühl für leise Zwischentöne.

An komischen Situationen herrscht kein Mangel, doch mit Fortschreiten der Handlung wird offensichtlich, dass David und seine Freunde, ganz wie die „angry young men“ im britischen Kino eben jener Ära, so manch krummes Ding drehen, um ihre Träume realisieren zu können. Jenny hat das Leben in Luxus zu schätzen gelernt, heillos damit infiziert hat sie sich nicht. Carey Mulligan, die mühelos sowohl den Part des naiven Schulmädchens wie jenen der anmutigen jungen Frau meistert, führt das mit Peter Saarsgard, Cara Seymour, Alfred Molina exzellent besetzte Ensemble an. MO

Weiterhin im Kino (OF im Burg, OmU im Votiv)


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