Theater Kritik

Wehe dem, der die Prinzessin wachküsst

Steiermark | Florian Labitsch | aus FALTER 17/10 vom 28.04.2010

Roland Schimmelpfennig ist ein begehrter Mann. Während sein goldener Drache noch im Wiener Akademietheater Feuer speit, schlägt schon „Die arabische Nacht“ ihre Zelte in Graz auf. Das bereits in Stuttgart uraufgeführte Stück (2001) erlebt im Theater im Keller nun Premiere und vereint dabei orientalisches Märchen und modernes urbanes Drama: Nachdem die Wasserversorgung einer Hochhaussiedlung zusammengebrochen ist, duscht Franziska dennoch unbehelligt im siebenten Stock des Hauses. Dann schläft sie, wie jeden Abend, bei Sonnenuntergang auf dem Sofa ein. An ihr orientalisches Vorleben als arabische Prinzessin kann sie sich nicht erinnern, aber in den Träumen holt sie die Vergangenheit immer wieder ein. Doch wehe dem Mann, der versucht, Franziska wachzuküssen: Der Nachbar landet wie einst Jeannie in der Flasche, ein anderer bezahlt dafür mit seinem Leben.

Schimmelpfennig, derzeit meistgespielter deutscher Gegenwartsdramatiker, montierte für das Drama fünf Monologe raffiniert ineinander, schnelle Szenenwechsel halten die fünf Protagonisten in Atem. Sie leiden dabei unter Kontaktarmut, so etwas wie der „Krankheit“ des modernen Menschen, und werden von Furcht und Begehren gleichermaßen angetrieben. Das Schauspiel-Ensemble rund um die bravourös Agierenden Christine Scherzer (Franziska) und Hausherr Alfred Haidacher (Karpati) tariert diese Gefühlswelten gekonnt aus. Als humorvolles, mit witzigen Szenen angereichertes Theatermenü serviert das TiK Gogo Nachtmanns Inszenierung. Freilich bergen manche Textpassagen, die, gar nicht abschätzig gemeint, auch als „Theaterfutter“ verstanden werden können, die Gefahr, dass der Regisseur sein Augenmerk allzu sehr auf die schnelle Pointe legt. An einigen Stellen des Stücks ist Nachtmann dieser Gefahr erlegen.

Theater im Keller, Fr, Mi, Do 20.00


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