Musiktheater Kritik

Grotesker Comicstrip zu Frédéric Chopin

Lexikon | Andreas Dallinger | aus FALTER 18/10 vom 05.05.2010

Hans Frank, selbsternannt „Der Polnische Orpheus“, tatsächlich Hitlers „Schlächter von Polen“, ließ dem verehrten Chopin in Krakau ein Museum einrichten. Zur Eröffnung spielte Ludmilla Berkwic, ein jüdisches Wunderkind. Sie wurde denunziert und überlebte den Holocaust. Rosemary Brown schrieb in den 60er-Jahren Klavierstücke, die ihr Chopin aus dem Jenseits diktierte. Der selbst ist in Paris bestattet – ohne Herz, denn das wurde gleich nach seinem Tod in Cognac eingelegt und ruht in seinem Heimatland. Thomas Desi montiert die grausamen und skurrilen Aberwitzigkeiten historischer Fakten in den verkachelten Räumen des 3raum-Anatomietheaters zu einem grotesken Comicstrip. Musiktheater, das über scharfe Splitter grelle Perspektiven an den Rändern der Chopin’schen Biografie widerspiegelt.

3raum-Anatomietheater, Fr, Sa 19.30


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