Ohren auf

Sammelkritik

Lexikon | Carsten Fastner | aus FALTER 18/10 vom 05.05.2010

US-Avantgarde: die alte Schule des Neuen

Wie fragile Skulpturen im freien Raum, so stellen Annelie Gahl und Klaus Lang die „Melodies and Harmonies“ von John Cage in die Zeit (col legno). Man könnte auch sagen, sie heben die Töne behutsam aus der Stille und betten sie wieder darein. „Die Zeit befindet über das Leben und den Tod jedes Tones und jeder Stille“, so hat das Cage einmal formuliert.

Den beiden Musikern ist da ein ganz wunderbar intimes, vielschichtiges Konzeptalbum gelungen. In einer Aura sakraler Ruhe und Konzentration verschränken sie die frühen „Six Melodies“ (1950) mit den späten „13 Harmonies“ (1985), die auf protestantisch schlichten Chorälen der amerikanischen Ostküstenkirche aus dem 18. Jahrhundert basieren. Lang, der als Komponist und Organist selbst an der Transzendenz der Klänge arbeitet, hatte die großartige Idee, seinen Part auf dem Fender Rhodes zu spielen; Gahl entlockt ihrer Geige Töne von schwereloser Klarheit.

Das Ensemble Zeitkratzer um


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