Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 18/10 vom 05.05.2010

Dies ist programmgemäß die faulste Kolumne des Blattes und von dementsprechend hoher Aktualität und Wahrhaftigkeit. Alles, was Sie hier lesen, hat sich genauso und gerade erst zugetragen. Diese Kolumne entsteht am Ende eines mühseligen Montags als letztes einer Unzahl zu füllender Kasteln. Das Aufstehen fällt dem Autor zu diesem Zeitpunkt schon fast so schwer wie die Erinnerung an Dinge, die länger als einen halben Tag zurückliegen. Alles, was in diese Kolumne will, muss daher durch die Zimmertür des Kolumnisten kommen, sonst wird es auch nicht wahrgenommen. Manchmal reicht es auch, sich knapp davor hinzustellen und „Motherfuckeeeeer“ zu rufen. Danke, Bernold, ich nehme an, am Wochenende war Boxen.

Syntaktisch raffinierter fällt die Wortmeldung der Brodnig aus, die fragt, ob ich ihr meine Karte für „drüben“ borgen könne, weil dort ihre „Lasagne“ stehe. Mit „drüben“ ist der (nur Mitgliedern der Chefredaktion zugängliche) Prachtflügel des Falter-Konzerns gemeint, mit „Lasagne“ ein ausgesprochen nachhaltiges italienisches Sättigungsgericht für Schwerstarbeiter und adipöse Katzen. Warum die Brodnig am Montagabend Lasagne isst, die sie an einem Ort lagert, zu dem sie keinen Zutritt hat, weiß ich genauso wenig, wie ich darüber informiert bin, ob die Brodnig die Lasagne auf- oder angetaut, tief- oder halbgefroren isst. Ungefragt verrät sie mir Detailinformationen zu ihren Essgewohnheiten, nach denen ich noch viel weniger wissen möchte, als ich ohnehin schon nicht weiß. Der Satz lautet: „Wegen dir ist mir jetzt die Lasagne mit der falschen Seite auf den Boden gefallen.“


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