Vor 20 Jahren im Falter

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | aus FALTER 18/10 vom 05.05.2010

Déjà-vu satt

20 Jahre sind eine lange Zeit. Vor 20 Jahren rezensierte der Philosoph Konrad Paul Liessmann im Falter Robert Menasses eben erschienene Essays zu österreichischer Literatur und österreichischem Wesen. Die These von Menasses Buch „Die sozialpartnerschaftliche Ästhetik“, dass die Sozialpartnerschaft das literarische Bewusstsein des Landes geprägt habe, hebt er auf eine Stufe der Österreicherklärung mit dem „habsburgischen Mythos“ des Triestiner Germanisten Claudio Magris. Das österreichische Bewusstsein sei „immer schon postmodern gewesen, nur wusste es nichts davon“. Und was, wenn Menasse nicht Recht hätte? Liessmann: „Auch wenn alles anders wäre – in Österreich galt immer schon eine gute Pointe für mehr als die Wahrheit; und mit guten Pointen ist die ‚Sozialpartnerschaftliche Ästhetik‘ allemal bestens besetzt.“

Michael Weber und Christian Scheib (heute Musikchef von Ö1 und Chef des RSO) lieferten eine Vorschau auf die Staatsopern-Premiere von Bernd Alois Zimmermanns „Die Soldaten“, Klaus Nüchtern half bei der Einstimmung mit einer Analyse der Textvorlage, des Stücks „Soldaten“ von J.M.R. Lenz aus dem Jahr 1775: „Die autoritäre Vaterfigur ist Ausdruck einer Klassengesellschaft, in der den Bürgerstöchtern ihre Ehre als, beinahe, einziges Kapital mitgegeben ist.“

Ein Déjà-vu-Gefühl lässt sich nicht von der Hand weisen, wenn man das Interview mit dem damals neuen AZ-Chef Peter Pelinka liest. Er übernimmt ein Blatt, um nur guten Journalismus zu machen. Fast hätte man’s vergessen: Dem Team der stellvertretenden AZ-Chefredakteure, „mit dem man eine stattliche Volleyballmannschaft hätte bilden können“ und das sich nun zerstreute, gehörte auch ein gewisser Christian Rainer an.

Heute versucht Pelinka, News auf Qualitätskurs zu bringen. Rainer ist Herausgeber des profil. Beide erscheinen in der News-Gruppe. Und die AZ hatte damals noch ein Jahr zu leben. AT


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