Meinesgleichen

Öl bohren, Risiko finden

Falter & Meinung | aus FALTER 18/10 vom 05.05.2010

Es ist auch schon wieder ein Vierteljahrhundert her, dass der Soziologe Ulrich Beck das Wort von der Risikogesellschaft prägte. „Im Bemühen um die Steigerung der Produktivität wurde und wird von den damit verbundenen Risiken immer schon abgesehen. Die erste Priorität der wissenschaftlich-technischen Neugierde gilt dem Produktivitätsnutzen, erst danach und oft noch nicht einmal in einem zweiten Schritt wird dann über die damit verbundenen Gefährdungen nachgedacht.

Die Produktion von Risiken und ihre Verkennung hat also ihren ersten Grund in einer, ökonomischen Einäugigkeit‘ der naturwissenschaftlich-technischen Rationalität. Deren Blick ist auf die Produktionsvorteile gerichtet. Sie ist damit zugleich mit einer systematisch bedingten Risikoblindheit geschlagen. Während Möglichkeiten der wirtschaftlichen Verwertbarkeit hellsichtig vorhergesehen, entwickelt, erprobt und nach allen Regeln der Kunst ausgeleuchtet werden, tappt man bei den Risiken immer im Dunkeln herum und ist dann über ihr, unvorhergesehenes‘ oder gar, unvorhersehbares‘ Eintreten zutiefst überrascht und erschrocken. Die umgekehrte Vorstellung, dass Produktivitätsvorteile als latente Nebenwirkungen einer bewussten Risikokontrolle im Nachhinein gegen die Widerstände einer risikoorientierten Naturwissenschaft, ungesehen‘ und, ungewollt‘ zur Kenntnis genommen werden, erscheint völlig absurd.“ Was ist das Risiko, kein Öl zu haben, verglichen mit dem einer Ölpest?

Quelle:

Ulrich Beck; Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. edition suhrkamp, 1986, Seite 80


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