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Politik | aus FALTER 18/10 vom 05.05.2010

Wie ist die Ölpest in den Griff zu bekommen, Frau Helms?

Hunderttausenden Tieren droht der Tod. Auf 10,5 Milliarden Euro könnte sich der Gesamtschaden belaufen – verursacht durch die Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ vor der Küste Floridas. Millionen Liter Öl haben den Golf von Mexiko bereits verseucht. Ein Gespräch mit Antje Helms, Meeresbiologin bei Greenpeace Österreich, über Folgen und Auswege aus der Katastrophe.

Wie ist die Ölpest in den Griff zu bekommen, Frau Helms?

Nur sehr schwer. Das Problem ist: Es geht um eine junge, sehr risikoreiche Grenztechnologie – um Ölbohrungen in über 1500 Metern Tiefe. Man muss am Leck, also am Meeresboden, ansetzen. Deshalb scheiterten bisherige Versuche, das Leck abzudichten. Solche Tiefseebohrungen müssen eingestellt werden. Wir haben die Technologie nicht im Griff.

Wie realistisch ist ein Verbot?

Obama hat zwar neue Bohrungen vor der US-Küste gestoppt, aber bereits installierte Bohrungen sind davon ausgenommen. Wir fordern ein Moratorium für alle Bohrungen.

Obama spricht von der größten Naturkatastrophe seit dem Untergang des Tankers Exxon Valdez vor 20 Jahren.

Richtig ist: Beim Mississippi-Delta handelt es sich um eine Lobau im Großen. Das Delta ist so groß wie ein Drittel ganz Österreichs. Wenn das Öl das Delta erreicht, dann ist die Katastrophe mit bisherigen Ölteppichen nicht zu vergleichen. Dort gibt es keine geraden Küstenlinien. Herkömmliche Geräte werden die Küsten nicht reinigen können. Und schon im Fall der Exxon starben bis zu 250.000 Vögel.

Es heißt schon lange, das fossile Zeitalter neige sich seinem Ende zu. Könnte die Katastrophe dazu beitragen?

Das kann man noch nicht sagen. Diese tiefen Bohrungen sind ja gerade ein Versuch, der Endlichkeit zu entgehen und neue Quellen zu erschließen. Langfristig gesehen kann das aber nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Wir müssen endlich auf regenerative Energien umsteigen.

Interview: Martin Gantner


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