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Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 18/10 vom 05.05.2010

Bilderloses Europa

Die EU hat ein Problem: Was sie bewirkt, wird schlecht bebildert. Zu diesem Schluss kommen die Autoren des Buchs „Europäische Bilderwelten“, die aus sozialwissenschaftlicher Sicht der Frage nachgehen, welche Bilder für die nationale Etablierung europäischer Politik existieren. Selbst eine EU-freundliche Berichterstattung auf Textebene – so der Tenor – spiegle sich nicht unbedingt auf Bildebene wider, weil sich Motive der Angst leichter darstellen ließen. Ein provokantes Beispiel dafür lieferte der Karikaturist Manfred Deix in der Zeitschrift profil, als er EU-Verhandler nach einem imaginierten Negativ-Votum sichtlich gealtert auf den nächsten Zug Richtung Brüssel warten ließ. EU-Bilddatenbanken wird ebenfalls ein negatives Zeugnis ausgestellt: Es handle sich vorwiegend um „Gesichtsbilder“ von Politikern, die für die „gesichtslose EU“ geradestehen sollen.

Marianne Schreck

Gertraud Diendorfer, Heidemarie Uhl (Hg.): Europäische Bilderwelten. Studienverlag, 203 S., € 27,70

Eingeschüchterte Türken

Warum lernen türkische Migranten mitunter so schwer Deutsch? Warum sind manche so nationalistisch? Antworten hierauf liefert das „Schulheft Nr. 135“, „Dazugehören oder nicht?“. Häufig – wird erklärt – gehe es um fehlende muttersprachliche Kenntnisse und ein Schulsystem, das den Jugendlichen zu wenig Mut macht. Überhaupt scheint Selbstvertrauen entscheidend zu sein: Wer an sich zweifelt, kommt beim Lernen nicht voran. Gerade Türken fühlten sich oft unsicher oder genierten sich sogar für ihre Sprache (siehe Seite 10). Das fand Linguistin Katharina Brizic in ihrer Studie zum Spracherwerb von Migrantenkindern heraus – zweifelsfrei einer der spannendsten Beiträge im Buch.

Ingrid Brodnig

Sevgi Bardakci (u.a.): Dazugehören oder nicht? Ein Blick in die Lebenssituation türkischer Österreicherinnen (Schulheft 135). Studienverlag, 144 S., € 11


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