Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Stefan Kluger | aus FALTER 18/10 vom 05.05.2010

Jetzt geht’s schon wieder um die Wurst. „Fleischermeister“ Hofstädter, Werbetestimonial der Rewe-Gruppe (Billa, Merkur), sorgt schon länger für Aufregung. Die Kampagne, die von Demner, Merlicek und Bergmann gestaltet wurde, zeigt einen kauzigen Fleischer, der Wurstwaren in seinem Geschäft anbietet. Abgesehen davon, dass er der Grammatik nicht mächtig ist, nervt er Kunden mit seinen Kochvorschriften. Doch zum Glück – so die Botschaft des Spots – gibt es seine Würste auch völlig stressfrei bei Billa im Kühlregal zu kaufen.

„Frechheit“, meint Franz Laus, Innungsmeister der Fleischer. „Die Konsumenten werden getäuscht. Sie sollen glauben, einen selbstständigen Fleischer vor sich zu haben.“ In Wahrheit liegen die Produkte der Marke Hofstädter ausschließlich im Billa-Regal. Verärgert sind die Fleischer auch wegen der lausigen Sprache des Schauspielers. „Das wertet unseren Beruf ab“, urteilt Laus streng. Eine Prüfung der Wirtschaftskammer soll nun klären, ob Täuschung am Kunden vorliegt. Die beauftragte Werbeagentur war für eine Stellungnahme leider nicht erreichbar. Corinna Tinkler, Pressesprecherin von Rewe, beschwichtigt aber: „Es ist nicht in unserem Sinn, Kunden zu täuschen.“ Viel mehr stelle die Rolle den sympathischen Paradegrantler dar, der „ein radikales Qualitätsbewusstsein symbolisiert, wie es eben nur ein eingefleischter Qualitätshardliner haben kann“. Also, eh alles wurscht? Nicht ganz. Auch beim Verein für Konsumenteninformation weist man darauf hin, dass Werbebotschaften Kunden oft in die Irre führen. Beim Rewe-Spot wäre zumindest der Eindruck möglich, dass die Waren direkt vom „Qualitätshardliner“ selbst stammen. Den Fleischer aus der Werbung dürfte das wenig kümmern. Wie heißt es schon zu Beginn des Spots: „Jetzt hat sich der Hofstädter wieder was erlaubt.“


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