Monsieur Marathon

Feuilleton | aus FALTER 18/10 vom 05.05.2010

Der frankokanadische Regisseur Robert Lepage ist der beste Geschichtenerzähler des Welttheaters. Die Wiener Festwochen zeigen sein neues Epos „Lipsynch“

Porträt: Wolfgang Kralicek

Eine Lufthansa-Maschine, irgendwo zwischen Frankfurt und Montréal. In der Economy-Class schläft eine junge Mutter, ein Baby liegt auf ihrer Brust. Der idyllische Schein trügt: Die Frau ist tot, es hat nur noch keiner bemerkt.

Stewardessen legen den leblosen Körper der Passagierin auf den Gang, Wiederbelebungsversuche verlaufen erfolglos. Um das Kind kümmert sich für den Rest des Flugs eine Opernsängerin, die unterwegs zu einem Auftritt ist.

Mit dieser sehr lapidaren Horrorszene beginnt das neue Epos des kanadischen Theatermachers Robert Lepage. Wie es zu der Tragödie gekommen ist, wird erst neun Stunden später aufgelöst werden.

Dazwischen liegt eine Aufführung, für die sich das Prädikat „Welttheater“ schon deshalb anbietet, weil die Schauplätze des Stücks auf sieben Länder und zehn Städte

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