Nüchtern betrachtet

Wir schritten auf markierten Pfaden

Feuilleton | aus FALTER 18/10 vom 05.05.2010

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Der Dichter Robert Frost ist mitverantwortlich dafür, dass die selten beschrittenen Wege und die kaum befahrenen Straßen seit bald einem Jahrhundert eine grotesk gute Presse haben. Es ist also hoch an der Zeit, dass jemand ein paar deutliche und mutige Worte gegen die billige Heroisierung von Individualreisenden und deren Verklärung zu Vertretern eines establishmentkritischen Abseitsstehertums erhebt. Und weil ich diese Stelle ausgeschrieben habe, melde ich mich auch gleich selber: Platz da, hier kommt der Prophet der tausendfach beschrittenen Wege! Mögen andere mit dem Esel durch Korsika reiten, die Karpaten überschreiten oder in den Dünen der Kurischen Nehrung rumkugeln, wir wollen die Destinationen hochhalten, zu denen man mit dem Bus, der Straßen- oder Schnellbahn anreist.

Diese Form des massenhaften Regionaltourismus ist freilich auf ein paar zivilisationssichernde Übereinkünfte angewiesen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige