Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 18/10 vom 05.05.2010

Die Nahrungskette endet derzeit (noch) bei Sushi

Es gibt in dieser Stadt so viele Chinarestaurants, in die keiner geht. Sie heißen „Morgenröte“ oder „Lotusblüte“ oder tragen chinesisch klingende Namen wie „Dim Sum“ oder „Wo Ton“. Sie dienen zur Geldwäsche, heißt es manchmal in mäßig originellen Runden. Sie befinden sich in diesen eckigen Mini-Einkaufszentren vor Gemeindebauten oder in diesen Jahrhundertwendehäusern, die nach dem Krieg ohne Ornamente wiederaufgebaut wurden. Wer sie sieht, fragt sich: Wo hat wohl das erste der Chinarestaurants gestanden? In der Innenstadt? Als eins der teuersten Lokale im Wien der frühen 80er? Waren damals Acht Schätze genauso schick wie Pizza Margherita im Jahr 1965 und Lachs-Sushi-Bento 1995? Und überhaupt: Mittlerweile haben ja auch Sushi-Lokale unübersehbar an Exklusivität eingebüßt. Wie wird also Wien in 20 Jahren aussehen? Leere Chinesen neben leeren Japanern, die zur Geldwäsche dienen? Und zwischendurch wenige Restaurants, die den aktuellen Trend anbieten. Sagen wir: Pizza Margherita. Der letzte Schrei des Donaukanalsommers 2030.


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