Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 18/10 vom 05.05.2010

Würden Sie Nein sagen?

Es ist vor wenigen Wochen ein Aufatmen durch diese Kolumne gegangen. Wieder einmal war zur Debatte gestanden, ob am Hauptplatz nicht doch ein Gastgarten zu errichten sei. Am Ende hat ein Trachtenmodengeschäft, das sich gegen die Pläne stellte, das Schlimmste verhindert. Diese Heldentat haben wir zum Anlass genommen, ein kleines Hohelied auf die Volkskultur anzustimmen.

Umso bestürzter macht uns, dass nun ausgerechnet die Volkskultur dafür verantwortlich sein soll, ein weiteres kostbares Gut, ein erst jüngst für diese Stadt entdecktes, zu gefährden. Diesmal wünscht die mit den attraktiven Ressorts Wirtschaft, Tourismus, Bildung, Feuerwehr, aber weder mit besonders attraktiven Ideen noch mit besonders großer Bekanntheit gesegnete Stadträtin Sonja Grabner (ÖVP) mitten am Hauptplatz „Die Pracht der Tracht“, einen „Trachtenevent der Superlative“, abzufeiern. Und sie will die in dieser Branche erbrachten „Höchstleistungen an Kreativität und Design“ auch in Zusammenhang mit der laufenden Bewerbung der Stadt um den Unesco-Titel einer „City of Design“ gesehen haben. Was aber, wenn die anderen Unesco-Designstädte – Berlin, Buenos Aires oder Kobe –, die gerade jetzt, wo in Graz wieder ein ambitioniert aufgezogener Designmonat angebrochen ist, ihren strengen Blick auf die potenzielle Tochterstadt richten, das leicht Skurrile dieses Superlativevents nicht zu schätzen wissen, bei der Unesco gar ein Veto gegen die Grazer Bewerbung einbrächten? Und was, wenn die Unesco dann alternativ und ungefragt den Titel „City of Crafts and Folk Art“ – ja, den gibt es – an Graz verliehe? Kommt ja eh nicht dazu. Aber wenn: Würden wir ablehnen?

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter


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