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Mythos Arbeitsgruppe 4 – Popstars der Architektur

Lexikon | Bernhard Kern | aus FALTER 19/10 vom 12.05.2010

Noch bis Ende Mai läuft im Architekturzentrum Wien die Werkschau „x projekte der arbeitsgruppe 4“, die das Oeuvre der legendäreren „arbeitsgruppe 4“ dokumentiert. Dieser Zusammenschluss von Architekten ist vor allem durch seine prägnanten Protagonisten bekannt, die in der jüngeren österreichischen Architekturgeschichte wie Popstars gehandelt werden. Die Arbeit der Gruppe an sich ist jedoch bislang weithin unbekannt. In der Nachkriegszeit formierte sich die Clique um Otto Leitner, Friedrich Kurrent und Wilhelm Holzbauer und den um zehn Jahre älteren Johannes Spalt in der ehemaligen Staatsgewerbeschule Salzburg. Otto Leitner stieg schon in den Anfangsjahren aus. In weiterer Folge wurde der Begriff „die Dreiviertler“ als inoffizieller Name der verbleibenden Gruppenmitglieder gebräuchlich.

Ihre Projekte stellten in der Aufbruchsstimmung der 1950er und 1960er den Beginn der modernen Architektur in Österreich dar. „Wir wollen nie etwas umstoßen, sondern auf der Tradition aufbauen“, so das Credo der Gruppe. Der Arbeitsprozess war gezeichnet von einer lebhaften Auseinandersetzung mit Geschichte und Zukunft der österreichischen Architektur. Visionäre Modelle, wie die der Wohnraumschulen, wurden aber leider nie realisiert. Hauptauftraggeber war die Katholische Kirche, die als Förderer von moderner Architektur einige Projekte verwirklichte. Die Pfarrkirche Salzburg-Parsch gilt als ein zentrales Werk.

Der Gesprächsabend mit dem Motto „Avantgarden und Atmosphären“ soll nun auf die Rolle der drei Architekten im Soziotop der Wiener Avantgarde der 50er und 60er hinweisen. Es plaudern die Wegbegleiter Friedrich Achleitner, Johann Georg Gsteu, Peter Kubelka, Gerhard Rühm, Wieland Schmied und Kurt Schwertsik. Moderation: Siegfried Mattl.

AZW, Architekturzentrum Wien, Mi 19.00


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