Kritik

Bunte Teppichteile, stinkiges Hasenskelett

Lexikon | aus FALTER 19/10 vom 12.05.2010

Lange bevor Amer Abbas sein Kunstbuero eröffnete, betrieb er einen Kunstraum in der Tuchlauben. „Orbis Parvus“, also armer Planet, nannte sich diese Galerie anfangs und Marcus Geiger zählte zu den Ersten, die dort ausstellten. Seit 1985 hat der gebürtige Schweizer mit etlichen Galerien zusammengearbeitet; zuletzt mit der Engholm Galerie, aber auch von deren Künstlerliste ist er wieder verschwunden. Seinem Ruf als schwer zu bändigende Größe bleibt Geiger auch in der Revival-Schau „Mal 25“ treu. Dort mischt er Abstraktionen aus den 80er-Jahren auf eine Weise mit aktueller Produktion, als wäre seither keine Zeit vergangen. Beinahe monochromes Grau trifft auf neue weiße Einfärbigkeit, die Variationen von schnellem wässrigem Anstrich bis zum Spiel mit Grundierungen kennt. Im erstmals bespielten Keller beschäftigt sich Geiger mit den materiellen Grundlagen der Malerei: Der strenge Geruch rührt von dem Hasenleim her, den der Maler dort aus Knochen gekocht hat. Diese Grundierung verwendete er für ein riesiges, im Raum stehendes Gemälde.

In einem Nebenraum sind Geigers bekanntere Arbeiten zu sehen. Ein ins Ärmliche gewendeter Minimalismus spricht aus den Teppichstücken an der Wand, auch Tetrapaks hat der Künstler gern bemalt. Vor psychedelischen Gemälden mit Spiralenmustern stellt sich die Frage, wie ironisch gebrochen diese Malereien nicht bereits in den 80ern waren. Eine Rückkehr zu seinen Anfängen nimmt man Geiger in der Schau nicht ab – aber ein Schritt nach vorne ist sie auch nicht. ns

Galerie Amer Abbas, bis 6.6.


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