Neu im Kino

„Die Schachspielerin“ Sandrina Bonnaire

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 19/10 vom 12.05.2010

Das Zweispringerspiel, mit dem Hélène (Sandrine Bonnaire) ihre erste Partie eröffnet, führt sie in wenigen Zügen ins Matt. Schach ist ihre große Leidenschaft, seit sie in dem kleinen Hotel, in dem sie als Zimmermädchen arbeitet, ein Paar beim Königlichen Spiel beobachtet hat. Nun sitzt die 42-jährige Mutter dem eigenbrötlerischen, verwitweten Professor Kröger (Kevin Kline) gegenüber, dessen Haus sie zweimal pro Woche putzt. Nachdem sie den gebildeten Amerikaner um eine Lektion bittet, wird der Staubfetzen gegen ein Holzbrett getauscht.

„Die Schachspielerin“, der Debütfilm von Caroline Bottario, ist weniger ein Film über das Spiel an sich, sondern eine im Subgenre des Schachfilms platzierte Emanzipationsgeschichte: Welche Rolle übernimmt Hélène als Ehefrau eines einfachen Hafenarbeiters und einer pubertierenden Jugendlichen in dem kleinen korsischen Städtchen? Beim Schach würden nicht die Regeln zählen, erklärt ihr Kröger, sondern die Ausnahmen. Und so entdeckt Hélène über das Studium der Bewegungen auf dem Spielbrett sich selbst als starke Dame.

Das erscheint mitunter zwar genauso konstruiert wie die Erzählung nach dem Roman von Bettina Henrichs, wird aber vom großartigen Spiel Sandrine Bonnaires, in deren Gesicht sich kleinste Veränderungen widerspiegeln, aufgefangen. Für all das, was sich diese Frau nicht erfüllt hat, müssen nun die 64 Felder herhalten. Doch das Gute daran ist, dass sie weiß, dass das Spiel nur Mittel zum Zweck ist. Vor vielen Jahren hat sie auf alles verzichtet, um ihrem Mann hierher zu folgen, am Ende bricht sie aus einem anderen Grund wieder Richtung Festland auf. Denn ihr Leben auf Korsika war bis jetzt eine Hängepartie.

Weiterhin in den Kinos (OmU im Votiv)


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