Neu im Kino

Mannskind in Manhattan: „Go Get Some Rosemary“

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 19/10 vom 12.05.2010

Zuerst besteht Lenny am Imbissstand auf seinem doppelt gefüllten Riesenhotdog, dann verliert er die Würstel beim Sprung über einen Parkzaun gleich wieder. Während des Vorspanns lacht sich das Mannskind mit den langen Koteletten dann über sein Missgeschick kaputt. Mit seinen beiden Söhnen im Volksschulalter, die 14 Tage im Jahr bei ihm leben, geht Lenny (unter Strom: Ronald Bronstein) bei aller Liebe kaum behutsamer um: Überschwängliches gemeinsames Spiel kippt in Vernachlässigung, überfallsartig wird eine Landpartie in die begrenzte Zeit gequetscht. „Go Get Some Rosemary“ ist in mehrfacher Hinsicht ein Erinnerungsfilm: Die sprunghafte Handlung basiert auf Kindheitserlebnissen der Filmemacher-Brüder Josh und Ben Safdie. Die unruhigen 16mm-Aufnahmen, das vibrierende Körperspiel und das abgefuckte New-York-Kolorit beschwören eine vergangene Bohème-Urbanität und das familiäre Nervenkino John Cassavetes’. Lustig, beklemmend, sehenswert.

Ab Freitag im Stadtkino (OmU)


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