Neu im Kino

Oliveiras „Eigenheiten einer jungen Blondine“

Lexikon | Michael Omasta | aus FALTER 19/10 vom 12.05.2010

Sie glauben nicht, was mir passiert ist, vertraut Macário einer ihm Unbekannten seine Geschichte an. Schauplatz ist Lissabon, das unzweifelhaft „heutig“ und dem Heute dabei ganz weit entrückt ist. So wie Macário, der eine Stelle als Kontorist im Tuchgeschäft eines reichen Onkels antritt, Luisa, die junge Frau am Fenster gegenüber, anschmachtet, schmachtet man nur in der Erinnerung. Oder im 19. Jahrhundert, in dem die Geschichte von Eca de Queiroz spielt, die „Eigenheiten einer jungen Blondine“ zugrunde liegt.

Es ist ein rigoroser Film, den der mittlerweile 101 Jahre alte Manuel de Oliveira hier vorlegt: Rigoros in seiner Genauigkeit, rigoros in seiner Schnörkellosigkeit (Laufzeit: 63 Minuten), rigoros in seinem Blick auf den kleinen Spießer, dessen „große Liebe“ sich, all seinem Schmachten zum Trotz, nicht erfüllen wird. Macário, der „sentimenale Buchhalter“, wie ihn sein Onkel einmal nennt, versteht bis zum Schluss nie, dass man nicht Buch führen kann über sein eigenes Leben.

Ab Fr im Filmhaus (OmU)


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