Neu im Kino

Nix im Hirn, hoch zu Ross:, ,Survival of the Dead“

Lexikon | aus FALTER 19/10 vom 12.05.2010

In George A. Romeros „Survival of the Dead“ gibt es Szenen mit einer jungen Zombiefrau zu Pferd, die aussieht wie Charlotte Gainsbourg für Arme (also für Untote, um im Bild jener Sozialmetaphorik zu bleiben, die diesen medial omnipräsenten Monstren anhaftet). Da stellt sich also Romeros Gretchenfrage: Zombie or not to be? Was unterscheidet Mensch und Zombie, wenn Ersterer auch nur aus Gier agiert und Zweiterer ebenso zur Werkzeug- bzw. Pferdverwendung fähig ist? Allein, ein Pferd ist nicht irgendein Werkzeug, sondern trägt ein Inventar an traditionellen Amerikabildern mit sich. In diesem Film geht es um die Feindschaft zweier Rancherklans auf einer Insel: der Ort der (wie immer scheiternden) Abschottung als Westernsetting; Zombifizierung als Störung der Fehde knorriger Patriarchen.

Oder fungiert die Zombieschönheit hoch zu Ross als ein Gruß an die weit profitablere Medienkultur der Vampire, die heute ganz zu Ikonen einer in Parfümwerbungsoptik veredelten Jugendsexualität mutiert sind? Bietet sich da ein Sequel mit sexy Zombieteenies an?

Nun, Kids in America (und ihre Web 2.0-Praktiken) zeigte schon der Vorgängerfilm „Diary of the Dead“ (2007), und ein schöner Anblick ist „Survival of the Dead“ insgesamt ja nicht: Zu ulkig gerät das creative killing von Untoten, zu sehr erinnern die aus jähem Auftauchen von Zombies gemolkenen Schocks an Sitcoms, in denen auch ständig wer zur Tür reinschneit. Das Ende, das den Menschen als Endlosautomatismus der Gewalt ausmalt, ist wiederum gar zu tiefsinnig.

1968 begann Romeros Zyklus von Schockern, die alle „of the Dead“ im Titel führen; dieser Film ist nicht dessen Ende, sondern Bonustrack – oder Kickoff einer wunderbaren Zombieheimkinonacht. DR

Weiterhin in den Kinos


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige