Ohren auf

Sammelkritik

Lexikon | Klaus Nüchtern | aus FALTER 19/10 vom 12.05.2010

Immer drei und zweimal auch Klavier dabei

Klar, der Norweger kann auch anders (Kirchenanzünden und so), aber das ist ein völlig anderes Genre; im Jazz ist er doch eher dafür bekannt, sich dem Schönklang recht ungebrochen zu öffnen und sich dabei in Gefilde vorzuwagen, die andernorts als esoterisch gelten.

Der Pianist und Schriftsteller Ketil Bjørnstad (sein Roman „Der Fluss“ erscheint dieser Tage als Suhrkamp-Taschenbuch) fällt durchaus in diese Kategorie und hat mit seinen Landsmännern Tore Brunborg (ts) und Jon Christensen (dr) auf „Remembrance“ (ECM) elf Stücke („I–XI“; meist um die vier Minuten) zwischen zarter Innigkeit und verhalten hymnischer Emphase eingespielt, die in ihrer programmatischen Schlichtheit aber etwas prätentiös wirken. Herausragend freilich die kitschresistenten Klangkolorisierungskünste Christensens, der asynchrone Akzente setzt, das musikalische Geschehen perkussiv aufraut und für eine Spannung sorgt, die sofort nachlässt, wenn er mal aussetzt.


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