Theater Kritik

Geld oder Leben: Dennis Kelly auf der Probebühne

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 19/10 vom 12.05.2010

Es gibt ja so gewisse Klischees. Über die angloamerikanische Kunst des gut gemachten Stücks, über Autoren, die ihr Zeug am College lernen durften, die Jugendstücke oder TV-Serien schreiben. Der 1970 geborene Dennis Kelly, Absolvent des berühmten britischen Goldsmith Colleges (wo auch Damien Hirst studierte), ist so einer. Seine Stücke bestätigen das mehr oder weniger eindrucksvoll. Auf der Probebühne des Schauspielhauses hat sich der hier gut bekannte Patrick Schlösser Kellys „Liebe und Geld“ vorgeknöpft, einen perfekt gestrickten Szenenreigen, der Schlössers formalistisch anspruchsvollem Stil durch eine episodenhafte Struktur sehr entgegenkommt. Blöd nur, dass der Text seine Message so gar nicht dezent rüberbringt: Sind wir nicht alle Huren, wenn es ums Geld geht? Wird der Mensch dem Menschen dann zum Wolf, zur Sau? Ist das Geld womöglich – Achtung, ein Einfall – unsere neue Religion?

Jan Thümer, Steffi Krautz, Franz Joseph Strohmeier, Martina Stilp sowie die beiden – für ein Probebühnengastspiel ziemlich prominenten – Gäste Eva Spott und Florentin Groll zeigen gekonnt Menschen, die vor genau gar nichts zurückschrecken, wenn das Geld sie in seiner Gewalt hat: Ein Hobbydichter wird zum Mörder seiner Frau, ein Pensionist zum Grabschänder, eine Büroangestellte zur Prostituierten.

Die Rettung dieses Abends kommt erst ganz am Schluss, wenn Kelly in zynischer Rückblende auf die Träume einer Ehe fokussiert, von der wir bereits wissen, wie übel sie endet. Die Szene wird von Stilp mit einer so traumwandlerischen Virtuosität über jeden Plattitüdenverdacht hinweggetragen, dass es sich schon allein dafür auszahlt, diese Inszenierung zu sehen.

Schauspielhaus, Probebühne, nächste Vorstellung am 25.5.


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