Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen

Steiermark | Herwig G. Höller | aus FALTER 19/10 vom 12.05.2010

Bei Christoph Ransmayr hat Odysseus ein Integrationsproblem

Eyjafjallajökull forderte Opfer. Angela Merkel etwa, die – so die deutsche Bild-Zeitung – wegen des „Asche Chaos" eine Odyssee durch Europa ertragen musste. Oder Kurt Flecker, der in der Krone über eine „16-Stunden-Odyssee" im Autobus von Brüssel nach Graz stöhnte.

Und dann noch die griechische Finanzkrise, die Premierminister Giorgos Papandreou seinem Volk gar eine „neue Odyssee" ankündigen ließ. Odysseen feiern dieser Tage also fröhliche Urständ, bisweilen auch als Farce. Eine ernsthafte Beschäftigung mit dem antiken Stoff ist da durchaus indiziert. Und im österreichischen Literaturbetrieb gibt es diesbezüglich kaum jemand Berufeneren als den Schriftsteller Christoph ransmayr, der mit einer aktuellen Arbeit einmal mehr auf Homers Spuren wandelt.

„Odysseus, Verbrecher. Schauspiel einer Heimkehr" nennt sich Ransmayrs Bühnentext. Im Rahmen eines Odyssee-Schwerpunkts der europäischen Kulturhauptstadt Ruhr 2010 gab’s im Februar im Düsseldorfer Theater die Uraufführung. Im Literaturhaus Graz präsentiert der Autor nun gemeinsam mit den Schauspielern Steffi Krautz und Martin horn ein Lesefassung des Werks, das zumindest die Wiener Zeitung als „sein bisher bestes Theaterstück" bezeichnete. Worum geht’s aber? Es handelt sich um keine Nacherzählung der Odyssee. Ransmayr erzählt das Epos weiter und konzentriert sich auf die Probleme, die Odysseus nach seiner Rückkehr ins eigene Königreich hat. Dem weitgereisten Kriegshelden fällt dabei die gesellschaftliche Reintegration sichtlich schwer. Inhaltlich – wie bei Ransmayr üblich – schwere Kost. Gleichzeitig aber hochaktuell.

Literaturhaus Graz, Mo 20.00


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