Meinesgleichen

Zwei Lecks: die Eurokrise und das Bohrloch

aus FALTER 19/10 vom 12.05.2010

Die größte Umweltkatastrophe der letzten Jahrzehnte im Golf von Mexiko beschäftigt das Publikum bei weitem nicht so sehr wie die Finanzkrise. Möglicherweise, weil außer den Todesopfern der Bohrinsel selbst (elf Männer) keine menschlichen Opfer zu beklagen sind. Und der Ölteppich hat die Küsten noch nicht erreicht. Das treibende Motiv hinter der Sache ist aber das gleiche wie bei der Finanzkrise. In den nüchternen Worten der des Antikapitalismus unverdächtigen Financial Times liest sich das so: „Die Ölplattform war nicht auf dem neuesten Stand der Technik, obwohl bekannt ist, wie gefährlich Tiefenbohrungen im Meer sind. Und auch wenn BP die Plattform nicht selbst betrieben hat, hätte der Konzern auf einer optimalen Ausstattung bestehen können. Dazu hätte dann auch ein akustischer Schalter gehört, mit dem das Bohrloch wie mit einer Fernbedienung verschlossen werden kann. Kostenpunkt: 500.000 $.

Bei einem Gewinn von zuletzt über 6 Mrd. Euro sind solche Beträge durchaus zumutbar. Wie die meisten Ölmultis schüttet BP aber gern üppige Dividenden an seine Aktionäre aus. Zumal die Aktionärsstruktur den Ölkonzernen ein Umsteuern schwermacht: Es handelt sich oft um mächtige Pensionsfonds mit hohen Renditeerwartungen. Umso wichtiger ist es, dass die Konzerne langfristige Investitionen vor ihren Aktionären rechtfertigen können – und das geht am besten über hohe Verlustrisiken.“

Zur Stunde ist es noch immer nicht gelungen, das Leck zu dichten.

Quelle:

Financial Times Deutschland, 3. Mai 2010


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