Kommentar

ÖOC-Konten: Der Skandal ist im Parlament angekommen

Sport

Johann Skocek | aus FALTER 19/10 vom 12.05.2010

ÖOC-Präsident Karl Stoss sagt, er wolle Sauberkeit. Er sei erschüttert, dass über ein „Geheimkonto“ (3.243.560,33 Euro) und ein Sparbuch (mehr als fünf Millionen) Schlagbohrer und Rasenmäher bezahlt worden seien. Das behauptet zumindest ein von Stoss beauftragter Prüfbericht. Ex-ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth und dessen einstige Stellvertreterin seien verdächtig, lässt Stoss durchblicken. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Im Parlament mutmaßt Peter Westenthaler vom BZÖ, die Autoren des Prüfberichts stünden den Lotterien (Generaldirektor: Stoss) nahe. Falls das stimmt, hätten sie ihre Chefs (Ex-Generaldirektor Leo Wallner und dessen Nachfolger Stoss) geprüft. Oppositionsanträge auf Vorladung von Stoss und ein Untersuchungsausschuss wurden von der SPÖ/ÖVP-Mehrheit abgelehnt. Warum nennt Stoss die Begünstigten des ÖOC-Verrechnungskontos nicht? Wären das Politiker? Ob einzelne Kriminelle das ÖOC missbraucht haben, wird die Staatsanwaltschaft klären. Wozu braucht es eine Kooperation mit dem News-Verlag? Schiebt Stoss Sponsor- oder Fördergeld einem Medienkonzern zu? Warum hatte das zu News gehörende Magazin Format Stoss’ Prüfbericht früher als die Staatsanwaltschaft? Der grüne Sportsprecher Dieter Brosz hält Stoss’ Doppelrolle – Casinos-Chef und ÖOC-Präsident – für untragbar. Ihm zufolge habe Stoss die Offenlegung der Zahlungen von Casinos und Lotterien an das ÖOC verweigert.

Tatsächlich bleiben etliche Fragen offen: Woher kam das Geheimkontengeld? Wer zahlte 2002 die Einladung des Diktators Alexander Lukaschenko durch Wallner? Die Casinos nicht, behauptet Wallner. Das klingt, als wüsste er noch mehr.


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