Am Apparat

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 19/10 vom 12.05.2010

Warum schreiben Sie Ihren Brief gerade jetzt, Frau Scholl?

Aus Anlass der Abschiebung mehrerer Fußballspieler des Vereins Sans Papiers kritisiert die ehemalige ORF-Russlandkorrespondentin Susanne Scholl in einem offenen Brief an Bundeskanzler Werner Faymann und die Minister Maria Fekter und Michael Spindelegger Österreichs Asylpolitik.

Was hat Sie bewogen, jetzt diesen Brief zu verfassen?

Seit ich wieder in Österreich bin, erschreckt mich das Ausmaß der Fremdenfeindlichkeit. Die offiziellen Stellungnahmen und das, was ich in manchen Blättern lese, erschüttern mich.Da wird der Eindruck vermittelt, unser Land würde mit Drogendealern, Kriminellen und Sozialschmarotzern überflutet. Wir leben in einem der reichsten Länder und qualifizieren Leute ab, die vor Verfolgung, Elend und Hunger flüchten.

Rechtlich betrachtet, sind das unterschiedliche Dinge. Nicht jeder, dem es dreckig geht, hat Anspruch auf politisches Asyl.

Ich finde nicht, dass das unterschiedliche Dinge sind. Ein Mensch, der flüchtet, weil er sonst verhungern müsste, hat genauso Anspruch auf Hilfe.

Dagegen könnte man einwenden, dass – im Einklang mit der UN-Flüchtlingskonvention –nur jene Asyl bekommen, die politisch verfolgt werden.

Ich bezweifle, dass immer alle Bestimmungen eingehalten werden. Die Anträge werden von Beamten geprüft, die oft keine Ahnung von der Situation im Land haben. Experten werden oft nicht gehört. Sehen Sie sich nur den Fall dieses Fußballspielers an: Er ist homosexuell und kann dafür in Nigeria verfolgt werden.

Was wäre Ihr Vorschlag, die Asylpolitik menschlicher zu machen?

Ich will mich nicht in Feinheiten verstricken. Ich lehne es einfach ab, dass Leute ins Elend zurückgeschickt werden. Ich habe diesen Brief geschrieben, weil ich mich über Politiker ärgere, die bereit sind, jede Zündschnur anzustecken, nur weil es ihnen Stimmen bringt.

Interview: M.G. Bernold


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