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Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 19/10 vom 12.05.2010

Von der Wandlung der Kriege

Was haben die Sieger der Kriege des 20. Jahrhunderts richtig, was haben die Verlierer falsch gemacht? Die Wasserscheide datiert Martin van Creveld auf den 6. August 1945, den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima. Danach hat es laut dem israelischen Militärhistoriker keine Kriege zwischen politisch-militärischen Hauptakteuren mehr gegeben, sondern nur noch Aufstands- und Terrorismusbekämpfungen an der Peripherie. Creveld spannt den Bogen dabei von den Verlusten Frankreichs und Englands innerhalb ihrer zerfallenden Kolonialreiche bis hin zur aktuellen Aussichtslosigkeit im Irak und in Afghanistan. Wenn es etwas Tröstliches an dieser eiskalten Analyse des 20. Jahrhunderts durch die Militärbrille gibt, dann die Feststellung, dass der wachsende Frauenanteil in den Armeen ein Indikator für deren Bedeutungsverlust ist und klassische Kriege somit immer unwahrscheinlicher werden.

veronika seyr

Martin van Creveld: Gesichter des Krieges. Siedler, 352 S., € 23,60

Der andere Blick auf die Wirtschaft

Wirtschaftsthemen, von ehrwürdigen älteren Professoren mit elitärem Gestus referiert, schrecken viele ab. Jetzt versucht ein Handbuch gerade Frauen zu zeigen, dass Ökonomie nichts mit Mystik zu tun hat. „Wirtschaft anders denken“ will das Interesse von Frauen an der Auseinandersetzung mit Ökonomie fördern. Das Autorinnenkollektiv, zu dem unter anderem die renommierte WU-Professorin Luise Gubitzer gehört, ist bei „Joan Robinson – Verein zur Förderung frauengerechter Verteilung ökonomischen Wissens“ und im entwicklungspolitischen Frauennetzwerk „Wide – Women in Development Europe“ engagiert. In gut verständlichen Beiträgen zu Ökonomieverständnis, Menschenbildern, Steuern, Finanzmärkten oder Arbeitswelt bereiten die Autorinnen ihr theoretisches und praktisches Wissen auf. Julia Ortner

Verein Joan Robinson (Co-Hrsg.): Wirtschaft anders denken. Wide-Netzwerk, 173 S., € 19,–


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