Cinematografischer Crashkurs in Zivilcourage

Feuilleton | aus FALTER 19/10 vom 12.05.2010

Obwohl es „Welcome“ eher um Publikumswirksamkeit als um Politik geht, sorgte der Film in Frankreich für Kontroversen

Filmkritik: Michael Omasta

Nur mehr 32 Kilometer trennen Bilal von seinem Ziel. Seit drei Monaten ist der junge Kurde aus dem Irak unterwegs. Er will nach Großbritannien, zu Mîna, seiner Freundin. Jetzt hat er Calais erreicht. Auf dem Weg zum Hafen begegnet er Landsleuten. Ja, ja, lachen diese ihn aus, dort könne er sich einschiffen, erster Klasse am besten – „hat die Queen dich eingeladen?“

Calais ist für Frankreich, was die mexikanische Grenze für die Vereinigten Staaten ist; ein Hort der Verzweiflung, an dem zigtausende Flüchtlingsschicksale sich entscheiden, Menschen in Not in hoher Zahl zu Tode kommen. „Welcome“ erzählt über einen von ihnen. „Für viele Franzosen ist das Leben illegaler Emigranten eine fremde Welt“, sagt Philippe Lioret, der Regisseur des Films: „Und dennoch so nah. Da ist es gut, im Kino das Land, in dem man lebt, unter einem

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