Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 19/10 vom 12.05.2010

Ihr habt keine Wahl!

Dem Land Steiermark liegt seit Kurzem ein Integrationsleitbild vor. Das klingt gut, denn es enthält die klare Positionierung als Zuwanderungsgesellschaft und konkrete Empfehlungen für Maßnahmen in den Bereichen Arbeit, Bildung, Soziales und Wohnen sowie Anleitungen zum Aufbau einer Struktur. Robert Reithofer von der Integrationsplattform, die das Leitbild erstellt hat, fordert erste konkreter Schritte noch vor dem Sommer. Allerdings habe die Landesregierung bereits zu verstehen gegeben, dass vor der Wahl wenig passieren werde – angeblich aus Angst, das Thema könnte politisch instrumentalisiert werden.

Auch auf Ebene der Stadt Graz klagen Experten über eine fehlende Gesamtstrategie, zudem ist das Budget, das für dieses wichtige Thema zur Verfügung steht, viel zu niedrig. Und so lässt selbst die Umsetzung des Miniprojekts „Wir verstehen uns“, das Integrationsreferent Siegfried Nagl (VP) vor einem Jahr in einer eigens angesetzten Pressekonferenz präsentierte, auf sich warten. Dabei sollten Pickerl fürs Elternheft in acht Sprachen übersetzt werden. Um größere Pläne wie die Siedlungsbetreuung ist es zuletzt ebenfalls eher ruhig geworden.

In der Stadt bleiben zweieinhalb Jahre nach der Wahl Projekte liegen, im Land will man das heikle Thema kurz vor der Wahl nicht mehr anfassen. Und 2013 steht die nächste Wahl in Graz bevor. Stellt sich eine Frage: Wann soll dann überhaupt etwas passieren? Migranten sind in steirischen Städten und Dörfern Realität, sie vom gesellschaftlichen Leben auszuschließen ist nicht nur unsozial, sondern auch teuer. Es gibt keine Wahl – leider hat sich das bis zu manchem Entscheidungsträger noch nicht durchgesprochen.

Donja Noormofidi leitet den Politikteil im steirischen Falter


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige