Selbstversuch

Sucht euch gefälligst einen anderen Gast

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 19/10 vom 12.05.2010

So wie es ausschaut, werde ich heute Abend etwas tun, was sowohl mit meiner Natur als auch mit meinen Prinzipien üblicherweise kein sehr harmonisches Verhältnis am Laufen hat und vermutlich auch künftig nicht haben wird: Ich werde im Rahmen einer Theaterproduktion auf einer Theaterbühne stehen*. Natürlich habe ich die Hosen bis übern Bund voll und bereue schon seit Tagen bitterlich, dass ich mich dazu habe überreden lassen.

Ach was, man musste mich nicht einmal überreden. Harald Posch von der Garage X sagte einfach nur: Schorsch Kamerun will dich. Und ich sagte: Bin schon da, wann, wo? Weil: Schorsch Kamerun. Schorsch Kamerun, von den Goldenen Zitronen, wer’s nicht weiß, habe ich ja sehr gern. Immer schon gehabt. Schätze ich außerordentlich, ist einer dieser richtig guten Männer, von denen es irgendwie nie genug gibt: gescheit, streitbar, kreativ, laut, mutig. Wobei ich insgeheim natürlich nicht ganz verstehe, wie sich so einer mit dem Theater einlassen kann, aber wenn es Kamerun tut, kann es wohl nicht ganz verreckt sein. Und außerdem bin ich allmählich geneigt, Annas Wording zu folgen, dass meine Probleme mit dem Theater MEINE Probleme seien und nicht die des Theaters. Obwohl. Ganz überzeugt bin ich davon nicht, und soviel ich weiß, hat sich Anna in den letzten Wochen aus mehreren hochgelobten Aufführungen heimlich geschlichen und mir aus anderen, aus denen es sich nicht heimlich schleichen ließ, SMSe des Inhalts „Ich stähärbäääää!“ geschickt. Es ist also auch Annas Affäre mit dem Theater nicht mehr ganz so verschmust und frei von Friktionen wie einst. Was meinereiner einerseits einen hochbefriedigten Händerieb verschafft, mich andererseits aber trotzdem nicht daran hinderte, meine Partizipation an dieser Kamerun-Produktion völlig gedankenlos zu versprechen. Fehler, Fehler, Fehler. Fehler!

Denn es hieß, es gehe um die Teilnahme an einer Jury und Popkultur und vergebliche Versuche, und das kann ich alles so einigermaßen. Allerdings ging es in der ersten Besprechung auch darum, ob ich dabei ein Kostüm tragen würdemüssesolle, und da stieß ich gleich brutal an die Grenzen meiner Aufgeschlossenheit gegenüber der Vergeblichkeit. Mich kann man ja schon mit den verhaltensten Andeutungen völlig harmloser Dresscodes von Feierlichkeiten fernhalten: Ich soll mich verkleiden? Sorry, geht GAR nicht, sucht euch gefälligst einen anderen Gast. Ich weiß auch nicht warum, vielleicht hat man mich als Kind einmal zu oft in ein Clownkostüm gesteckt, ich weiß auch nicht.

Die Chancen, dass ich heute auf der Bühne der Garage X einen pipifeinen Nervenzusammenbruch erleide, stehen also nicht schlecht. Wenn Sie auf derlei gut verzichten können, schauen Sie sich Kameruns Stück lieber morgen oder übermorgen an. Da bin ich schon in der Geschlossenen.

*Schorsch Kamerun: Der letzte vergebliche Versuch der Popkultur. Garage X, 1., Peterspl. 1, 12., 13. und 14. Mai, 20 Uhr


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