Kritiken

Unter den Linden: Szenen einer Ehe

Lexikon | Martin Lhotzky | aus FALTER 20/10 vom 19.05.2010

Auf der bleichen Bühne (Rolf Langenfass) stehen ein Klavier und ein paar Sessel. Ein einzelner mächtiger Baum beschirmt diese Idylle. Im Theater in der Josefstadt hausen hier Arthur Schnitzlers Seelchen aus „Das weite Land“ (1911). Regisseur Köpplinger lässt Hausherrn Herbert Föttinger und Gattin Sandra Cervik als Ehepaar Hofreiter Seitensprünge und Todesfälle durchleiden – ihn zu schroff, sie bisweilen zu hysterisch, seine jüngste Eroberung Erna (Gerti Drassl) zu schrill, ihren Galan Otto (Martin Hemmer) überraschend wild. Im übrigen wird brav jene vergangene Welt gezeigt, die nur aus lustlosen Intrigen und Tennisspielen besteht. Kaum etwas kann heute fremder sein als eine feine Gesellschaft, die sich lediglich aus Ennui gegenseitig zu Tode anschmachtet, paart, trennt und vor allem zu Tode duelliert.

Theater in der Josefstadt, Mi, Do 19.30


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