Vortrag Tipp

Symposium zum 80. Geburtstag von Adolf Holl

Lexikon | Bernhard Kern | aus FALTER 20/10 vom 19.05.2010

Wie gründe ich eine Religion?“ Dieser Frage ging der Theologe Adolf Holl in seiner letzten Publikation nach. Essayistisch stellt er dabei amüsante und geistreiche Überlegungen an, die für die Gründung einer Religion nützlich sein könnten und dechiffriert damit die Mechanismen der großen Weltreligionen. Die Idee zu dem Buch kam ihm schon in den 1970er-Jahren, indirekt angeregt durch Kardinal Franz König. „Eigentlich müssten Sie eine neue Kirche gründen“, mit diesen Worten suspendierte ihn das österreichische Kirchenoberhaupt vom Priesteramt. Mit seiner Ablehnung gegenüber Zölibat war er im Fadenkreuz der Amtskirche. Das 1971 erschienene Werk „Jesus in schlechter Gesellschaft“ löste dann einen Skandal aus. Der damalige katholische Priester stellte Jesus als Sozialrevolutionär dar. Das Buch traf dank des revolutionären Gehalts den damaligen Zeitgeist einer jungen aufgeschlossenen Generation.

Mit seinen Fernsehauftritten als Moderator des „Club 2“ wurde sein unverblümter Stil dann auch einem breiten Publikum bekannt. Als gesellschaftskritischer Theologe und Literat zählt er längst zu den wichtigsten Intellektuellen Österreichs und war für viele eine Instanz nicht nur in Fragen des Religiösen geworden. Zum 80. Geburtstag veranstaltet die Gesellschaft für Literatur nun das „Adolf Holl Disputation“, ein Symposium mit Vorträgen und Lesungen, die auf das Lebenswerk des Kirchenrebellen zurückblicken. Zu den Gratulanten zählen unter anderem Franz Schuh („Die Kunst des Essays“), Walter Famler („Skeptisch beäugt von links und rechts“), Josef Mitterer („So Far & From Now On“), Barbara Coudenhove-Kalergi („Der letzte Hochwürden“) und Josef Haslinger („Brevier beten mit Adolf Holl“). Zusätzlich erscheint mit dem Adolf-Holl-Brevier eine Einführung in seine Gedankenwelt.

Gesellschaft für Literatur, Di 17.00, Mi,Do 16.00


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