Kunst Kritik

Beschränkung, Verheimlichung und Selbsterkenntnis

Steiermark | aus FALTER 20/10 vom 19.05.2010

Für „Exposure and Concealment“ hat Clemens Hollerer den Ausstellungsraum der kunst.wirt.schaft mit einer seiner betont sperrigen Installationen verbaut. Dem Besucher verstellt ihm zunächst die Arbeit „Blaue Wand“ die Sicht auf alles Weitere. Wie sich Hollerers Kunst ja überhaupt um das Verstellen und Blockieren dreht und damit insbesondere den voyeuristischen Betrachter in die Pflicht nimmt, einmal genauer über die Funktion von Information nachzudenken.

Das im Raum aufgebaute, Weg abschneidende oder zumindest arg behindernde Holzgerüst heißt dementsprechend auch „Lost in Formation“ und zeigt eine umgedreht auf dem Boden liegende Infotafel oder Plakatwand samt überbordend und im feinen Raster ausgeführter Substruktion, die, wie gewohnt, die eine oder andere gewollte Unfertigkeit oder Bruchstelle aufweist, als wäre sie mit Gewalt in ihr Korsett gebracht. Trotzdem verhält sie sich zu ihrem Umfeld recht sensibel. Hollerer arbeitet in situ, baut seine Installationen im jeweiligen Raum auf und reagiert mit ihnen präzise und schlüssig auf das Vorgefundene. So entspricht die umgedrehte Infotafel in ihren Maßen jenem Rechteck, das die Beleuchtungsschienen oben an die Decke zeichnen. Das nun zur Skulptur erklärte Traggerüst misst den Raum nach allen Seiten aus, lässt dem Rezipienten gerade Platz genug, um die Struktur aus blauen oder schrägen schwarzen oder unbehandelt rohen Latten von allen Seiten zu erfahren. Wie der Mensch auf Abgrenzung und Behinderung reagiert, ist auch Thema eines Films, den Hollerer im Herbst fertigstellen wird. Wie der Mensch so tickt, versinnbildlicht in Hollerers Installationen, lässt sich in diesen auch unmittelbar am eigenen Leib erfahren. UT


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