Xiu Xiu: Oft brutal, meistens schön, immer intensiv

Steiermark | Gerlinde Pölsler | aus FALTER 20/10 vom 19.05.2010

mit neuem album „Dear God, i Hate myself" auf Welttournee

Dear God, I Hate Myself": Wie sich das anfühlt, könnte das Video zum Titelsong der neuen CD von Xiu Xiu kaum eindringlicher rüberbringen. angela seo würgt sich minutenlang den letzten Saft aus dem Magen, derweil James stewart danebensitzt und Schokolade leckt. Es geht um Bulimie und, allgemeiner, um Selbsthass, Lebensverachtung, Gewalt.

Mit seiner neuen Kompagnonin Angela Seo ist Xiu-Xiu-Erfinder Jamie Stewart nun wieder in die dunkleren Gefilde der Psyche hinabgestiegen. Nicht dass er diese je verlassen hätte, allerdings gab es zwischendurch Alben wie „Fabulous Muscles", die einen Hauch leichter und poppiger waren. Der bekennende Homosexuelle Stewart ist bislang die einzige Konstante der 2000 in Kalifornien gegründeten Band, die er nach dem Hongkong-Film „Xiu Xiu: The Sent-Down Girl" über Prostitution im Maoismus benannt hat.

Der Songwriter hat von Einsamkeit und Verlassenwerden zu berichten, wobei er das eigene Leben zur ausreichend tiefen (Fund-)Grube erklärt. Mit Selbstmord etwa, einem seiner großen Themen, musste er sich gründlich auseinandersetzen: Sein Vater setzte 2002 dem eigenen Leben ein Ende. Aber auch Trostlosigkeiten des Weltgeschehens wie den Irakkrieg holt Stewart in seine Musik.

Am Mikro fleht, flüstert, schreit Stewart. Kritiker verzweifeln daran, Xiu Xiu musikstilistisch einzuordnen, es fallen Begriffe wie Postpunk, Avantrock, Synthienoise und Achtziger-Wave mit The-Cure-Reminiszenzen. Sicher lässt sich sagen: Xiu Xiu ist nicht selten schmerzhaft, meistens schön – und immer intensiv.

Postgarage, Do 20.00


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